Beweise sichern am Unfallort – Fotos, Zeugen, Dashcam
Welche Fotos müssen Sie am Unfallort machen?
Ihr Smartphone ist Ihr wichtigstes Werkzeug am Unfallort. Machen Sie mindestens diese Fotos – am besten mit eingeschaltetem GPS und Zeitstempel:
Übersichtsfotos: Fotografieren Sie die Unfallstelle aus vier Himmelsrichtungen. Zeigen Sie die Straße, die Kreuzung, die Fahrspuren, die Endstellung beider Fahrzeuge zueinander.
Detailfotos der Schäden: Gehen Sie nah ran. Jede Delle, jeder Kratzer, jedes gebrochene Bauteil. An BEIDEN Fahrzeugen – nicht nur an Ihrem.
Kennzeichen: Beide Kennzeichen separat fotografieren. Klar lesbar.
Straßenverhältnisse: Nasse Fahrbahn? Schlaglöcher? Baustelle? Eingeschränkte Sicht? Das kann für die Schuldfrage relevant sein.
Bremsspuren und Splitter: Falls vorhanden – mit einem Gegenstand als Maßstab daneben (Schlüssel, Münze).
Verkehrszeichen und Ampeln: Fotografieren Sie alle relevanten Schilder und Ampeln in der Umgebung.
Die grüne Versicherungskarte und den Führerschein des Gegners: Einfach abfotografieren – dann haben Sie alle Daten gesichert.
Ein erfahrener Sachverständiger aus unserem Netzwerk sagt: 'Ich bekomme oft Fälle, bei denen der Geschädigte nur ein oder zwei Handyfotos gemacht hat. Das macht meine Arbeit schwieriger und kann im schlimmsten Fall Geld kosten. 30 Fotos in 5 Minuten – das ist die beste Investition, die Sie am Unfallort machen können.'
Wie sichern Sie Zeugen am Unfallort?
Zeugen sind Gold wert – aber nur, wenn Sie ihre Kontaktdaten haben.
Sprechen Sie Passanten, andere Autofahrer, Anwohner oder Ladenbesitzer direkt an: 'Haben Sie den Unfall gesehen? Darf ich mir Ihre Telefonnummer notieren?' Die meisten Menschen helfen gern.
Notieren Sie: Name, Telefonnummer, und in ein bis zwei Sätzen, was der Zeuge gesehen hat ('Stand an der Bushaltestelle, hat gesehen wie das rote Auto von rechts kam').
Tipp: Auch Beifahrer des Unfallgegners können als Zeugen relevant sein – sie müssen allerdings nicht zu Ihren Gunsten aussagen.
Wichtig: Versuchen Sie nicht, Zeugen zu beeinflussen oder Ihnen 'Ihre Version' zu erklären. Fragen Sie nur: 'Was haben Sie gesehen?' Alles andere kann die Aussage angreifbar machen.
Sind Dashcam-Aufnahmen als Beweis zulässig?
Ja. Seit einem BGH-Urteil von 2018 (Az. VI ZR 233/17) sind Dashcam-Aufnahmen in Deutschland grundsätzlich als Beweis in Zivilverfahren verwertbar.
Das bedeutet: Wenn Ihre Dashcam den Unfall aufgezeichnet hat, können Sie diese Aufnahme nutzen, um die Schuld des Gegners zu beweisen. Das Gericht nimmt die Aufnahme in der Regel als Beweis an.
Allerdings: Die dauerhafte, anlasslose Aufnahme des öffentlichen Verkehrs verstößt gegen die DSGVO. In der Praxis bedeutet das: Sie dürfen die Dashcam nutzen, aber sollten Aufnahmen regelmäßig überschreiben lassen und sie nur anlassbezogen – also nach einem Unfall – sichern und verwenden.
Unser Tipp: Wenn Sie eine Dashcam haben, sichern Sie die Aufnahme sofort nach dem Unfall. Schalten Sie die Kamera nicht aus, bevor Sie das Video gespeichert haben – viele Kameras überschreiben alte Aufnahmen automatisch.
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